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Das Münsteraner Institut für Soziale Arbeit e.V. (ISA) hat bereits in seiner Studie »'Straßenkinder' in NRW« (1994) deutlich resümiert, wo hingegen der Ursprung zu suchen ist: »Auch wenn es nicht viele Kinder sind, die im 'Milieu', auf der Straße leben, so besteht doch kein Zweifel, dass die Lebenssituation dieser Kinder und jüngeren Jugendlichen (10-15 Jahre) nicht selten dramatisch und von vielfältigen Gewalt-, Missbrauchs- und Vernachlässigungserfahrungen geprägt ist (...). Den familiären Wohnbedingungen (Wohnungsnot) kommt als Ursache der Straßenszenen allenfalls eine mittelbare Wirkung zu.«

Diese Einschätzungen des ISA für Nordrhein-Westfalen lassen sich auf alle Bundesländer übertragen und bestätigen die eigenen Beobachtungen, wonach nahezu alle interviewten Straßenkinder von Vernachlässigung, Beziehungslosigkeit bis hin zu unvorstellbar grausamer Misshandlung berichten. Die damals aufgezeigten Tendenzen haben sich in den vergangenen Jahren immer und immer wieder bestätigt.

So bejaht nur die Hälfte aller befragten Jugendlichen: »Wir waren eine Familie«. Beschimpfungen durch einen oder beide Elternteile seien eher die Regel als die Ausnahme. Etliche erklären unumwunden, geschlagen worden zu sein. Misshandlungen gehören zum Erfahrungsspektrum von mindestens einem Viertel der Befragten. Hierzu zählen beispielsweise Schläge mit Kabeln, Knüppeln, Peitschen, mittlere und schwere Körperverletzungen wie gebrochene Knochen, Brandmale, Narben oder auch das »Aus-der-Dusche-ziehen« eines nackten Kindes mit anschließender Prügelstrafe bis hin zu sexueller Nötigung und sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener.

Besonders trostlos wird die Frage nach dem Gefühl der Geborgenheit in der Familie beantwortet: Rund zwei Drittel der »Kids« zweifeln daran, dass ihre Mutter sie gerne gehabt hat; noch schlechter fällt das Ergebnis bei den Vätern aus. Nicht wenige bezeichnen zumindest einen Elternteil als »Alkoholiker«. Da mag es kaum verwundern, dass der Wunsch, wieder im früheren »familiärem Rahmen« zu leben, wenig ausgeprägt ist - zumal einige »Kids« ihren leiblichen Vater nie kennen gelernt haben.

Eine besonders auffällige Rolle spielen »Scheidungskinder« und Kinder von Alleinerziehenden. Das Verhältnis von 2:1 zwischen getrennten und intakten Ehen wird von den interviewten Straßenkindern bestätigt und ist somit um etwa das Doppelte höher als in der Jugendhilfe allgemein.