Off Road Kids Stiftung

Schabelweg 4-6
78073 Bad Dürrheim
Telefon: (07726) 37878-260
Telefax: (07726) 37878-269
info (ät) offroadkids.de

Ihre Spende für Off Road Kids ist direkte Hilfe für Straßen-
kinder in Deutschland!

Pressetexte

Die folgenden Texte sind zum Abdruck freigegeben.
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Kurzinfo

  • Off Road Kids hilft Straßenkindern in Deutschland bei der Suche nach neuen Perspektiven abseits des Straßenlebens. Die Reintegration in die Familie hat dabei Präferenz, aber auch die Angebote der Jugendhilfe werden genutzt. Durch kurze Vermittlungszeiträume soll vermieden werden, dass aus Ausreißern überhaupt Straßenkinder werden. Jugendliche können jederzeit über weite Entfernungen zu Gesprächen mit ihren Eltern und dem Jugendamt begleitet werden.
  • Mehr als 20 Sozialpädagogen arbeiten für Off Road Kids in vier Streetwork-Niederlassungen in Berlin, Hamburg, Dortmund und Köln und in zwei Kinderheimen in Bad Dürrheim. Zudem bietet Off Road Kids Eltern von Ausreißern telefonische Beratung an. Off Road Kids ist staatlich anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und ist vom Finanzamt als mildtätige Organisation eingestuft worden.
  • Die gesamte überregionale Straßensozialarbeit von Off Road Kids wird ausschließlich mit Spenden finanziert. Hauptförderer sind die Vodafone Stiftung Deutschland, die Permira Beteiligungsberatung GmbH und die Deutsche Bahn AG. Spendenkonto: 10 10 10, Volksbank Villingen (BLZ 694 900 00).
  • Informationen im Internet: www.offroadkids.de , Kontakt: Off Road Kids Stiftung, Schabelweg 4, 78073 Bad Dürrheim, Telefon: 07726 / 91188.

Straßenkinder in Deutschland?

Allerdings. Mehr als 1100 junge Menschen hat die Hilfsorganisation Off Road Kids seit 1994 in neue Perspektiven vermitteln können. Inzwischen betreibt Off Road Kids eigene Streetwork-Niederlassungen in Berlin, Hamburg, Dortmund und Köln – völlig ohne staatliche Zuschüsse.

Florian (Name geändert) hatte mit seinem Leben kurz nach seinem 14. Geburtstag eigentlich abgeschlossen. So wie die 19jährige Nina aus Bergisch-Gladbach, deren Mutter urplötzlich verschwand und die damals 13jährige Gymnasiastin ihrem Schicksal überlies. Nina fand in Ihrer Verzweiflung Anschluss an die Straßenszene auf der Domplatte in Köln. Erst Alkohol-, dann auch noch ungezügelter Drogenkonsum beschleunigten den Absturz des jungen Mädchens. Mit Betteln um Geld kam sie bald nicht mehr durch. Sie geriet in die Prostitution und pilgerte nach Berlin. Mit 17 brachte sie ihr erstes Kind zur Welt, mit 19 das zweite. Ob die Überdosis Heroin, an der sie kurze Zeit später starb, ein Versehen war, wird nie geklärt werden.

In Deutschland gibt es jährlich bis zu 2500 jugendliche Ausreißer, die sich längere Zeiträume im Obdachlosenmilieu aufhalten. Von ihnen werden derzeit bis zu 300 zu so genannten „Straßenkindern“ mit lebensbedrohlichen Straßenkarrieren. Diese Schätzung beruht auf der Vermisstenstatistik des Bundeskriminalamtes und der langjährigen Beobachtung von Off Road Kids.

Florian hatte es bei seiner psychisch kranken Mutter nicht mehr ausgehalten und begonnen, zu trinken. Das kostete ihn seine gymnasiale Karriere. Bald fand er sich auf den Straßen Berlins wieder – mitten unter gescheiterten Alkoholsüchtigen und vielen falschen Freunden. Mit allem hätte er gerechnet, nur nicht damit, dass ihn dort jemand anspricht, um ihm wirklich zu helfen. Florian brauchte einige Tage, bis er begriff, dass diese beiden „Streetworker“ ihr Hilfeangebot sehr ernst meinten. Zu viele Leute hatten ihm schon zu viel versprochen. Doch die beiden Streetworker kamen immer wieder und ließen nicht locker.

So ganz überzeugt war Florian nicht, als er das erste Mal mitging ins Streetwork-Büro am Alexanderplatz. Eigentlich hatte er gehofft, dass er dort etwas zu essen bekommt – vielleicht noch ein paar neue Klamotten kriegt – und dann wieder abdüsen darf. Weit gefehlt: Er war bei Off Road Kids gelandet und dort gab es nichts zu essen. „Wir halten nichts von Punker-Fütterungen“, erklärt Off Road Kids-Gründer und Vorstand Markus Seidel aus Bad Dürrheim: „Lebensmittelversorgung macht das Straßenleben für Ausreißer viel zu bequem. Die Straße ist aber keine gute Kinderstube, sondern in jeder Hinsicht lebensgefährlich. Deshalb gibt es bei Off Road Kids intensive Unterstützung bei der Suche nach neuen Perspektiven und eben nichts zu Essen.“ Weder bei Off Road Kids in Berlin noch in den Streetwork-Büros in Dortmund, Hamburg und Köln findet sich eine bequeme Couch, auf der die Straßenkinder ausruhen könnten. Geraucht werden darf auch nicht. Das ist Konzept: Beratung pur.

Für Florian war dieser Stil neu. Aber dafür war jemand da, der im genau zuhörte, sehr genau sogar. Und es war jemand da, der ihm dabei half, zu erkennen, wo sein derzeitiger Weg hinführen wird. Das musste Florian ersteinmal verkraften. Zwei Tage später ging er wieder hin, in das Büro, in dem es nichts zu essen gibt. Er musste warten. Andere Jugendliche hatten Termine mit den Streetworkern vereinbart. Dann aber ging es nur noch um ihn und seine Zukunft. Er erkannte schnell, dass ihm die Alkoholsucht jeden Weg versperrte und willigte einer Entgiftung mit anschließender Therapie ein.

Doch er hatte Angst vor der Einsamkeit. Schließlich kannte er dort niemanden. Doch die Streetworker von Off Road Kids hatten eine Überraschung für den 15jährigen: Sie gaben ihm ihre gebührenfreie Rufnummer, unter der sie Tag und Nacht zu erreichen sind – auch und gerade in Augenblicken der Mutlosigkeit und Einsamkeit. Das half. Florian fühlte sich nicht mehr alleingelassen.

Florian quälte der Gedanke, was nach der Therapie werden solle. In dem kleinen Ort, aus dem er stammt, hatte irgendwer mitbekommen, dass er in Berlin am „Bahnhof Zoo“ herumhängt. Schnell machte das Gerücht vom Strichjungen die Runde. Sein Ruf war dahin. Er wollte nicht mehr zurück in seine Heimatstadt - und er konnte es auch nicht mehr.

Längst hatten die Streetworker diese Ängste des Jungen erkannt und Kontakt zum Off Road Kids-Kinderheim im Schwarzwald-Kurort Bad Dürrheim aufgenommen. Dort finden motivierte Jugendliche ohne familiären Halt intensive Betreuung – sofern keine Integration in die Familie möglich ist und sich auch im Heimatgebiet keine akzeptable Lösung anbietet. Doch aufgenommen wird dort nicht jeder Jugendliche, der diese Voraussetzungen erfüllt: Florian musste sich sehr genau überlegen, welche Ziele er in Bad Dürrheim erreichen möchte. Erst seine schriftliche Bewerbung eröffnete ihm schließlich die Möglichkeit zum Vorstellungsgespräch.

Wenige Tage später, im Frühjahr 2002 wurde er aufgenommen und fand sich sofort auf der Schulbank wieder. Nachmittags gab’s obendrein jede Menge professionelle Nachhilfe. Vier Monate später hatte er einen hervorragenden Hauptschulabschluss in der Tasche. In den Sommerferien jobbte er beim Gartenbau und verdiente sich genügend Geld für einen eigenen Computer. Es folgten ein Realschulabschluss, das Berufskolleg I und das Fachabitur im Jahr 2005. Da war es kein Hexenwerk mehr, eine Lehrstelle im Kaufmännischen Bereich zu finden.

Zwischen den Schicksalen von Nina und Florian liegt die ganze Bandbreite der Arbeit von Off Road Kids. Die Hilfsorganisation, die kurz nach Weihnachten 1993 in Donaueschingen von rund 50 engagierten Bürgern rund um den Journalisten Markus Seidel gegründet wurde und deren Hilfe mit ehrenamtlichem Engagement begann, hat sich heute zum professionellen Hilfswerk entwickelt. Inzwischen beschäftigt Off Road Kids mehr als 20 Sozialpädagogen in Kinderheimen im Schwarzwald und in Streetwork-Stationen in Berlin, Dortmund, Köln und Hamburg. Obendrein gibt es auch eine Eltern-Hotline, unter deren Rufnummer Eltern von Ausreißern beraten werden.

Der eigentliche Kunstgriff bei Off Road Kids ist allerdings die Finanzierung der Straßensozialarbeit, für die die Hilfsorganisation noch nie staatliche Gelder erhielt: Seit 1994 fördern die Vodafone Stiftung Deutschland (zuvor die Mannesmann Mobilfunk GmbH), die Deutsche Bahn AG, zahlreiche Lions-Clubs und einige kleinere Stiftungen die Arbeit für Straßenkinder in Deutschland. Und das mit Nachdruck: Im Mai 2005 erhöhte die Vodafone Stiftung Deutschland erneut ihr Engagement, und Off Road Kids konnte zusätzlich zur Streetwork-Niederlassung in Berlin auch in Hamburg, Dortmund und Köln Streetwork-Büros einrichten. Mit dieser Erweiterung ging für Seidel ein langjähriger Wunsch in Erfüllung: „Jetzt können wir unser Ziel neu formulieren: Bisher haben wir für Straßenkinder in Deutschland die jeweils beste Perspektive recherchiert. Jetzt sollte es uns gelingen, dass aus Ausreißern gar nicht erst Straßenkinder werden.“ Zwei Jahre zuvor hatte die Deutsche Bahn AG ihren sechsstelligen Euro-Umrechnungsgewinn an die zusätzlich zum Verein gegründete Off Road Kids Stiftung gespendet – auch als Zeichen der Anerkennung für die geleistete Arbeit der Hilfsorganisation. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn übernahm zudem die Schirmherrschaft über die Stiftung.

Inzwischen finden die Erfolge der bundesweiten Arbeit immer häufiger überregionale Resonanz: Altbundespräsident Johannes Rau verlieh bereits 2003 persönlich das Bundesverdienstkreuz an Markus Seidel und der Fernsehsender ProSieben rückte die Bad Dürrheimer Hilfsorganisation im Rahmen der Benefiz-Gala „Red Nose Day“ gleich zwei Jahre hintereinander in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, stetzte noch Eins oben drauf und zeichnete Off Road Kids-Gründer Seidel als ersten Social Entrepreneur Deutschlands aus.

Doch auch bei Off Road Kids fällt das Geld nicht vom Himmel: „Wir verstehen uns als leistungsorientierte Einrichtung im Sozialwesen und wollen unseren Spendern Ergebnisse zeigen“, erläutert Markus Seidel: „Es muss uns in Zukunft gelingen, die Effizienz unserer Arbeit eindeutig nachzuweisen. Nur dann macht es für Unternehmen und Privatspender Sinn, unsere Arbeit für Straßenkinder in Deutschland zu fördern.“ Und dies sei bei der Straßensozialarbeit gar nicht so einfach zu machen. Daher lässt Off Road Kids bis 2008 sein gesamtes überregionales Streetwork-System wissenschaftlich auf Herz und Nieren prüfen und die Wirksamkeit beurteilen. „Zahlen allein reichen uns hier nicht mehr“, fordert Seidel: „Wir wollen auch die Nachhaltigkeit und Qualität unserer Arbeit analysiert wissen.“

In den Kinderheimen in Bad Dürrheim seien die Ergebnisse einfacher zu beurteilen: „Eigentlich gelten alle Jugendlichen, die zu uns kommen als sogenannte Schulverweigerer. Umso erstaunlicher ist es, dass bei uns der Realschulabschluss der Standard ist. Hauptschulabschlüsse sind meist nur die ersten Abschlüsse die die Jugendlichen hier erreichen.“ So war es auch bei Florian. (Weitere Infos im Internet: www.offroadkids.de )

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