Ausgesprochen ordentlich und nicht selten teuer kleiden sich Jungen im Prostitutionsmilieu. Sie finden dann und wann »nette Männer«, die sich »väterlich« um »ihre Jungen« kümmern und diese in der Hoffnung auf Zuneigung und Zärtlichkeit einkleiden. Abgesehen davon, ist es in der Stricherszene kein Geheimnis, dass gerade angenehmes Aussehen und Auftreten wichtige Marktvorteile bedeuten. Abgesehen von Strichjungen aus Polen, die bisweilen mit fünf oder zehn Euro für den »Liebesdienst« entlohnt werden, verdienen deutsche Stricher je nach Alter und Aussehen üblicherweise zwischen fünfzig und zweihundert Euro pro Freier. In Ausnahmefällen können die »Honorare« auch erheblich höher liegen. Während Jungen nahezu immer in der Öffentlichkeit auf den Strich gehen und bei Freiern oder in Hotels übernachten, finden Mädchen meist sehr zügig »einen Freund«, der ihnen Unterkunft gewährt und sich letztlich doch als Zuhälter entpuppt. Die Dienstleistungen reichen dabei von Masturbation des Freiers bis hin zu sadistisch-masochistischen Praktiken, weit über Analverkehr hinaus. Das Posieren für Foto- und Videoaufnahmen ist nicht unüblich; außergewöhnlicher, aber nicht ausgeschlossen ist es auf dem Knabenstrich, von einer Frau angemietet zu werden.
Straßenkinder, die ihr Überleben mit (Klein-) Diebstählen sichern, leben stärker als alle anderen in der Gefahr, aufgegriffen zu werden, und sie sind sich dessen auch bewusst. Daher nutzen nicht allzu viele diese Finanzquelle. Aufsehen erregten 1992 die sogenannten »Hamburger Crashkids, die durch ihre Kfz-Diebstähle ein gewaltiges Presseecho erfuhren. (Entgegen der Darstellung lebten längst nicht alle Crashkids auf der Straße.)
Im kriminellen Umfeld bieten sich neben Diebstählen weitere »Verdienstnischen« für Straßenkinder: Nicht selten werden sie von Hehlern als Boten oder Drogenkuriere eingesetzt. Dabei konsumiert längst nicht jedes Straßenkind Drogen, wenngleich die meisten zumindest Hasch rauchen. Strichjungen verdrängen beim Haschrauchen das Erlebte, andere wollen einfach nur den trüben Alltag vergessen und glücklich sein. Trips wie LSD oder XTC »werfen« nur wenige ein. Von stark abhängig machenden Drogen - wie Kokain oder Heroin (im Straßenjargon »shore« genannt) - halten sich Straßenkinder zunächst möglichst fern. Sie wissen um die Gefahren, da sie auf der Straße unentwegt Drogenabhängige antreffen. In dieser Szenennähe liegt dann auch die Gefahr, doch an härtere Drogen zu geraten. Manche Straßenkinder - insbesondere Mädchen -, die sich monate- oder gar jahrelang im Straßenmilieu aufhalten, verzweifeln an ihrer Situation zusehends und »betäuben« ihren Kummer mit Speed, Heroin oder Kokain. Bei Punkern hat Alkohol eine größere Bedeutung als andere Drogen.





